Philosophische Spiele Teil 1 – Soul Blazer

Hallo Leute,

inzwischen ist viel Zeit ins Land gegangen und ich habe mir meine Spiele noch einmal genau angesehen. Ich habe meine ursprüngliche Planung über den Haufen geworfen und das Ganze vereinfacht. So werde ich pro Spiel über die Story, das Gameplay und die philosophischen Elemente schreiben bzw. reden.

Da ich ja drei Teile machen will, habe ich mich jetzt für drei Spiele entschieden, die offiziell nichts miteinander zu tun haben, aber von den Fans (zu denen ich auch gehöre) als Trilogie angesehen werden.

1. Soul Blazer (Text)

2. Illusion of Time (Text)

3. Terranigma (Audio)

Alle drei Spiele wurden von „Enix“ entwickelt und haben neben dem Gameplay vor allem eines gemeinsam: Sie sind philosophisch und wollen dem Spieler immer etwas vermitteln.

Wie bei einem klassischen Text haben auch Spiele je eine Bild- und eine Sachebene.

Die Bildebene ist das, was wir sehen, die Sachebene das, was wir herausdeuten können.

Ich werde mit dem ersten Teil beginnen: Soul Blazer.

Fangen wir mit der Geschichte an. König Magridd hört von einem Erfinder namens Dr. Leo und lässt sich von ihm eine Maschinen bauen, um die Völker der Erde zu unterjochen, weiterhin auch eine Maschine, mit der er Kontakt zum Herrn des Bösen, Deathtoll aufnehmen kann. Magridd schließt mit dem Höllenherrscher einen Pakt. Ein Goldstück für jede Seele, die er ihm bringt.

Nach und nach verschwinden alle Lebewesen der Erde. Das Gegenstück von Deathtoll, der „Meister“, nebst seinem Schüler sieht, was geschieht und schickt seinen Schüler (die Spielfigur) auf die Erde, um als „Soulblazer“ die Lebewesen zu retten.

Der Held befreit also verschiedene Völker.

Das erste Dorf ist von allen Ländern am langweiligsten. Wir erfahren hier, wer Dr. Leo ist und dass er viele Freunde hat. Weiterhin lernt die Spielfigur Lisa, Leos Tochter, kennen.

Der restliche Teil ist da schon interessanter: So befreit der Soulblazer nach Menschen sprechende Tiere, Wassernixen, Zwerge, gefolgt von sprechenden Haushaltsgegenständen in Dr. Leos Haus. Letztendlich befreit er auch König Magridd und sein Königreich und stellt sich dann in der Hölle Deathtoll zum letzten Gefecht.

Natürlich triumphiert der Held und kehrt zum Meister zurück. Allerdings hat er Gefühle entwickelt und der Meister schickt ihn als Mensch zur Erde zurück, aber ohne seine Erinnerungen, damit er mit Lisa zusammen sein kann.

Also um es anders auszudrücken: Böser König gibt Teufel Seelen (auch seine eigene) gegen Geld, Gott sieht das und schickt einen seiner Engel, um alles wieder gutzumachen, nachdem Magridd die ganze Welt verkauft hat. Der Held befreit alle, besiegt den Teufel und kriegt das Mädchen.

Ja, die Story ist 08/15 und eigentlich auch dämlich, wenn man sie mit BWL-Kenntnissen betrachtet: Warum ein Goldstück pro Seele? Das ist eindeutig unter Wert verkauft. Wobei Magridd Deathtoll vielleicht auch Mengenrabatt gewährt hat…

Der Held an sich hat auch keinen eigenen Charakter. Lisas, Leos und Magridds Charakterisierungen kommen auch etwas kurz. So hat Magridd das alles wegen seiner Frau gemacht, die allerdings stirbt, als sie Dr. Leo dazu zwingen will, sie zu Deathtoll zu fliegen. Sie droht damit, Lisa zu töten, wodurch Leo sich mit einer Bombe auf sie stürzt und beide sterben. Magridd ist dankbar über die Befreiung und verspricht, das ganze Geld von Deathtoll zu verwenden, um der Menschheit zu helfen.

ABER das ist für ein Spiel aus den frühen 1990ern in Ordnung, weil es da auf das Gameplay ankam. Weiterhin war das Spiel für Kinder und Jugendliche gedacht, da darf der Übergang zwischen Bild- und Sachebene auch nicht zu schwer sein.

Wobei, wenn so darüber nachdenkt, ist das schon ziemlich heftig: In Soul Blazer wird ein möglicher Genozid angedeutet (die Maschinen, die Dr. Leo für Magridd gebaut hat), Dr. Leo tötet sich selbst und die böse Königin, um seine Tochter zu beschützen

Das Gameplay besteht aus zwei Teilen:

a) Monster töten, die aus dem Boden kommen, um nach deren Tod auf einen Schalter zu treten, der wiederum Lebewesen befreit

b) Mit den Lebewesen reden, um weitere Teile der Welt zugängig zu machen und bestimmte Gegenstände zu erhalten.

Was das angeht, so muss ich sagen, dass der erste Teil schlecht gealtert ist. Es müssen viele Monsterscharen abgefertigt werden, die leider sehr langsam aus ihren Löchern kommen. Weiterhin ist unklar, welche Schalter für den weiteren Spielverlauf betreten werden müssen. Das kann sehr leicht demotivieren und zieht sich durch das gesamte Spiel. Abwechslung bieten nur die Umgebung und die Monsterarten. Die Endgegner unterscheiden sich auch voneinander und verlangen eine andere Taktik. Schön, man verdrischt sie allesamt mit dem Schwert, nur muss man stets den richtigen Moment abpassen, um nicht selbst zu viel Schaden zu fressen.

Hingegen punktet dieses Spiel mit seinen Völkern. So haben wir die Zwerge in der Eisregion. Sie sind nach ihrer Geburt schon in sechs Monaten erwachsen, pflanzen sich fort, und sterben schon nach einem Jahr. Es ist in meinen Augen ein deutlicher Hinweis, das Leben zu genießen. Auch im Abspann wird das noch einmal aufgegriffen, da hier der Zwergenkönig sagt, es komme nicht auf die Anzahl der Tage an, die man gelebt habe, sondern auf die Anzahl der Tage, die man in ihrer Fülle gelebt habe.

Im Abspann besucht der Held auch König Magridd und dieser spricht unter anderem auch vom Morden. So verstehe er nicht, dass ein Mensch, der einen anderen töte, als Mörder gezählt werde, aber ein Mensch, der im Krieg hunderte töte, als Held angesehen werde.

Auch wieder so ein kleiner Punkt, über den man sich auslassen kann.

Nach Deathtolls Tod verkündet der Meister, die Welt des Bösen sei eine obskure Welt, die im Geist der Lebewesen existiere.

Weiterhin, dass der Held noch jung sei und Erfahrungen sammeln müsse. Eines Tages werde er alle Gefühle, alle Verbindungen, alle Existenzen verstehen und dem Meister ähnlich sein.

In meinen Augen eine schöne Botschaft, egal, ob man jetzt an eine höhere Existenz glaubt oder nicht. Der Spieler bekommt hier gesagt, dass er noch viel zu lernen habe und noch viel von der Welt zu sehen habe, bevor er sie verstehe.

Dass er dann dem Meister ähnlich sei, deckt sich schon mal mit der Bibelstelle, die da sagt: „Gott erschuf den Menschen nach seinem Abbild.“

Das soll mir an Ansatzpunkten genügen.

Soul Blazer ist der erste Teil und bietet für sein altgewordenes Gameplay wenigstens Gedankenfutter. Die nächsten beiden Teile werden da etwas interessanter, da sie nicht nur besseres Gameplay, sondern auch interessantere Geschichten zu bieten haben.

Bis zum nächsten Mal!

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